Unser Personal und seine Truppen.
Der Optimist würde es wohl spannende und aufregende Zeiten nennen. Der Kulturpessimist sieht vermutlich nur die Zeichen von Selbstverliebtheit und Überfluss, die noch jedes Imperium zum Einsturz gebracht haben. In jedem Fall sollten wir am Personal auf der Brücke zweifeln. Es sollte unsere politischen Eliten nachdenklich stimmen, dass ausgerechnet ein Pensionär wie Helmut Schmidt der angesehendste Politiker dieses Landes ist. Wo er die Note 1 erhält, folgen die ersten aktiven Politiker weit abgeschlagen auf den Plätzen. Dieses Urteil kann allerdings nicht verblüffen, angesichts der im Wochentakt erfolgenden Selbstoffenbarungen und Skandale.
Die CSU-Kampagne à la ‘Rote Socken’ benutzt statt Argumenten Liedgut auf Pennälerniveau. Da stellt sich massiv die Frage, ob hier nicht vielmehr der Beweis der vollkommenen Aufgabe inhaltlicher Auseinandersetzung erbracht wird. Alles was vom Gegner kommt ist falsch. Per Definition. Immer. Da ist es fast schon herzerfrischend, mit welcher sprachlichen Offenheit Guido ‘was macht der eigentlich?’ Westerwelle mit dem Krieg in Afghanistan umgeht. In dem Versuch, für die Verlängerung des Afghanistanmandat der Bundeswehr zu werben, entglitt ihm der aufschlußreiche Satz: „Hier halten Frauen und Männer ihren Kopf hin, dass wir zu Hause in Freiheit leben können“. Es ist eigentlich schade, wie wenig inzwischen auf Sprache geachtet wird und wie oft sich der Sprecher mit seinen Worten unfreiwillig selbst denunziert – wenn man nur genauer hinschaut. Den Kopf hinhalten bedeutet nichts anderes als geopfert zu werden für die Ziele und Zwecke anderer. Ein Opfer im Dienste anderer, gerne als höherwertiger verklärter Interessen. Und genau das ist es. Ein Bauernopfer für die Mär von der Verteidigung unserer Werte am Hindukusch. Dieser Krieg folgt internationalen, strategischen Interessen, denen sich zu entziehen die politische Führung zu schwach ist. Wenn man diese steinzeitliche Brutstätte clandestiner Gewalt wirklich trockenlegen wollte, müsste man zu aller erst über unsere Drogenpolitik sprechen. Darüber, wie wir mit unserem Kampf gegen Drogen die Kriminellen und Fanatiker dieser Welt mästen. Nur die Illegalität sichert den Produzenten einen nicht enden wollenden Geldstrom. Da ist es doch wahrlich viel einfacher, wenn ein paar Berufsfreiwillige den Kopf hinhalten…
Von Amts wegen Freiwillige wird es in Zukunft ja viele geben, schließlich haben wir dank des ‘Obergefreiten’ Guttenberg bald wieder eine Berufsarmee. Ob das wirklich eine sinnvolle Reform ist scheint in diesen Tagen leider längst kein Thema mehr. Die Väter der Verfassung hatten mit Bedacht eine Wehrpflichtigenarmee festgeschrieben, zu stark war noch die Erinnerung an den blinden Kadavergehorsam und die Willfährigkeit der Generalität im Dritten Reich. Irgendwie scheint die Überzeugung um sich zu greifen, dass so etwas nicht mehr passieren kann und die verfassungsmäßigen Sicherungen deshalb überflüssig seien. Scheinbare Kosteneinsparung geht hier über Staatsräson. Eine Freiwilligenarmee wird nicht nur teurer, sondern im Sinne ihrer zukünftigen Daseinsberechtigung auch häufiger zu Kriegseinsätzen herangezogen werden. Wen interessieren da schon Fakten, sind doch die Bilder so schön. Und das reicht in diesem Land offensichtlich, um zum Hoffnungsträger zu werden.